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Pressemitteilungen
Pressemitteilungen
26.02.2021 - 26.03.2021 Tüten Utopia
Neue Kunst Gallery - Michael Oess (Karlsruhe)
19.02.2021 - 10.04.2021 Anna Lena Grau - vom tastenden Reisen
Thomas Rehbein Galerie (Köln)
Pressemitteilung
Die Thomas Rehbein Galerie freut sich, die sechste Einzelausstellung der Künstlerin Anna Lena Grau vom 05. Februar bis 06. März 2021 ankündigen zu können.

Grau ist eine Meisterin des experimentellen Kunstgusses. Bereits seit über zwei Jahrzehnten entwickelt sie das „geschlossene“ Verfahrendes Gießens weiter. Geleitet wird sie von der poetischen Vorstellung noch unrealisierter Formvorhandenheit oder eines Form-Möglichen. Dabei bedarf bereits der mehrschrittige Prozess des traditionellen Handwerks eines hohen fachlichen Wissens und besonderer Kunstfertigkeit. Dient der Kunstguss im Allgemeinen dazu, über den Abdruck eines Gegenstandes einen weiteren und normalerweise identischen herzustellen, griff und greift Grau in die Zwischenstadien ein und verselbstständigt Teilschritte des Verfahrens, um den künstlerischen Spielraum zu erweitern. Spezifischer gesagt, um den Raum, der zwischen Form-Positiv und Form-Negativ liegt, als eigentliche und selbstständige Form zu ermöglichen.

Was liegt zwischen Form-Positiv und Form-Negativ?

In den „Packstücken“ ist die Figur der verlorenen Form (das Form-Negativ) selbst die eigentliche skulpturale Figur. Graus „Packstücke“ stellen die zerlegten Adjutanten der global reisenden Menschen dar – jedem Stück liegt die Abformung eines konkreten Koffers zugrunde. Die Reduktion auf klare, konkrete Elemente und das Fehlen jeglicher schmückenden Anteile, sprich, aller Zusätze, die nicht zwangsläufig zum Objekt gehören, rufen sowohl Tendenzen der Minimal-, als auch Pop Art in Erinnerung. Graus Koffer allerdings sind in ihrer Handlichkeit brüchig geworden und rau – wie in den Schichten seiner Oberfläche aufgeriebenes Schwemmgut. Es sind skulpturale Figuren, die ihre konkrete Gestalt, ihr Form-Positiv überschreiten oder entblättern und in die nächste Dimension des Juddschen „it is, what it is“, blind und tastend hineinfallen. So zeigt sich den Betrachter*innen an der Oberfläche der Figuren offen und sichtlich die “Befindlichkeit“ der Skulptur. Ihre Situativität, die sich als Kategorie des Raums, der Haptik, der Optik, ihres Gewichts und der Form äußert.

„Bug Curtain“, eine Gemeinschaftsarbeit zwischen Anna Lena Grau und Julia Frankenberg, assoziiert mitunter ob der vorhangartigen Aufhängung an Ketten, eine Wand voller Votivtafeln assoziieren. In oder auf ihnen sind konkrete Abdrücke und Ausstülpungen zu sehen, von Händen, von bestimmten Handgesten und von quasi naiven Reliefformationen, die an vorzeitliche Versteinerungen von Skeletten denken lassen. Einzelne andere Tafeln lesen sich als Aufsprengung dessen, was die Grundlage der vorher identifizierten Formation dient: die vermeintlich flache und sichere Fläche. So ist eines der “Votiv“-Objekte beispielsweise ein Multiplikat an Tafelflächen, und bei einem anderen endet die Rahmung als lose Linie.




Sind die verschiedenen „Bugs“ in Aluminium veredelte Objekte, die mit dem Fetisch der Votivtafel spielen, manifestiert sich das mit ihnen Gelobte oder Versprochene (das Votum) als Ausbuchtung der lebendigen – oder auch toten Körperform. Körper, die ihre Gestalt in die weiche Fläche gedrückt haben, geknetet wurden oder eingedrungen sind. So ist „Bug Curtain“ die Etüde einer durchweg unheimlichen Vorstellung. Denn was würde passieren, wenn eine Tafel, ein Screen oder ein Handydisplay plötzlich plastisch und weich werden würde?

Maulwürfe graben fantastische Tunnelsysteme, ja ganze Architekturen durch die verborgenen Erdschichten – und das blind. Wir sehen nur die Spuren der Tierchen, den an die Oberfläche beförderten Aushub ihrer heroischen Arbeit: die wohlbekannten Maulwurfhügel. Über diese ärgert man sich oder stolpert auch mal darüber, denn spektakulär sind sie nicht. Organisch krümelige Haufen an Erdmaterie, die weichen mussten, um den Lebensraum des Tierchens zu gestalten. Gleichzeitig markieren sie die Ein- und Ausgänge zu den verschlungenen Wegen unter der Erde. Sie sind Wegzeichen, sie sind Male auf der Erdoberfläche.

Die Maulwurfhügel sind Graus früheste Gussarbeiten. Um das eigentlich weiche Material, die tonige Erde, im Original abgießen zu können, machte sie sich in der winterlichen Landschaft auf die Suche nach Maulwurfhügeln. In Plain Air, meist auf Kuhweiden, errichtete sie kleine Gießstätten um einzelne der durch den Frost erhärteten Hügelchen ein und nahm von der gefrorenen und somit erhärteten Erde, mit Schamotte den Abdruck für den Abguss der Form in Bronze. Ihr Blick richtet sich – nun ist sie Forscherin – auf die im Detail wilde Formenlandschaft der Hügel, jeder Einzelne hat seinen eigenen Charakter, ist individuell – auch oder gerade wegen seiner situativen Zufälligkeit. Bei einem der Hügel sind die Erdbrocken schon etwas abgetragen, bei einem anderen war der Schwung der Aushebung wohl größer, die umgebende Erde nasser, oder grobkörniger.

Und doch gilt der Blick auf das Eigenleben der Formationen nicht der Fertigung eines getreuen Porträts oder Identifikation. Graus Untersuchungen gelten nicht dem Phänomen der Oberfläche, sondern vielmehr ihrem Brüchigwerden als Grenze zu einem anderen - konkret und imaginär – vibrierend poetischen Raum. Ihre Skulpturen geben den Dingen, die normalerweise dem leblosen Raum zugeordnet werden, ihre Poesie zurück und lassen uns ihre Verletzlichkeit, ihre Ausgesetztheit und Intimität sehen.

(Franziska Glozer, 2020)

Thomas Rehbein Galerie (Köln)

22.01.2021 - 20.02.2021 frozen cars & tender moon
Neue Kunst Gallery - Michael Oess (Karlsruhe)
Pressemitteilung
Neue Kunst Gallery - Michael Oess
Coole Schlitten
„Frozen Cars“ heißt das Hauptwerk einer neuen Ausstellung des Foto- und Videokünstlers Markus Brenner; eine Zeitreise voller poetischer Momente.

Eine Auto-Zeitreise unternimmt der Foto- und Videokünstler Markus Brenner mit Arbeiten, die jetzt erstmals in einer Galerie zu sehen sind, in der Neue Kunst Gallery Karlsruhe.
DB5, Jaguar E-Type, ikonische Mercedes, Porsches, Ferraris: In der Serie „Frozen Cars“ zeigt Brenner all die Schlitten vergangener Jahrzehnte, doch er hat sie eingesperrt in dicke Panzer aus farbigem Eis, welches sie für die Zukunft bewahrt. Denn solche Wagen von einst sind auch für den Künstler, der kein Autofetischist ist, Kunst; „skulptural, hoch ästhetisch und emotional aufgeladen“. Kulturgüter einer Zeit, in der Freiheit und Mobilität gefeiert wurden. Das Eis, welches schmilzt, gibt uns diese Schätze und Erinnerungen wieder frei, Tropfen für Tropfen.

Durch die malerischen Schlieren des Eis‘ kann man die Autos erst ahnen, dann, mit dem Schmelzprozess, klarer sehen, bis sie schließlich fast eisfrei sind. Meist ist der Eisblock rot, und dieses Rot ist in seiner optischen Wärme ein Widerspruch zum Wissen um seine Kälte – Liebe und Herzblut? Ein Unfall? Ein Verbrechen? So oder so: Es tropft. Wie das Eis der Alpen Gletschermann Özi, prähistorische Köcher und Pfeile, Verunglückte freilegt, befreit Brenner in seinen Videos und Stills die Autos der Vergangenheit aus den beeindruckenden Blöcken: Kunstwerke, die vergehen und deren Vergänglichkeit hier dokumentiert und so zu neuen Kunstwerken wird – höchst ästhetische, poetische Momente.

Keine Autos, keine Zeitreise findet sich in einem zweiten Raum: hier präsentiert Brenner seinen „tender moon“, einen küssenden Mond. Fazit: Auch der gute alte Mond kann mehr als bis dato alle dachten.

Eröffnung der Ausstellung ist am 22. Januar 2021 um 17.30 - 19.30 Uhr Uhr
Diese findet auf jeden Fall statt. Die Videos, z.T. mit Ton, sowie die großformatigen Fotografien sind durch die Schaufenster worst case "outdoor" gut erlebbar. Eine zweite Veranstaltung mit Künstlergespräch ist dann am Freitag, den 5. Februar ebenfalls von 17.30 - 19.30 Uhr Uhr vorgesehen. Persönliche Besichtigungstermine "indoor" können nach Absprache jederzeit erfolgen.
Markus Brenner ist bei allen Veranstaltungen anwesend.
NATÜRLICH WÜNSCHEN WIR UNS EINEN REGEN BESUCH DIESER BESONDEREN AUSSTELLUNG ZU DEN UNTEN ANGEFÜHRTEN ÖFFNUNGSZEITEN!
Mi. - Fr. 15 - 19 Uhr / Sa. 11 - 15 Uhr u.n.V.
Brauchen Sie weitere Abbildungen der Arbeiten, wünschen Sie ein Interview oder eine persönliche Führung, so melden Sie sich gern. Wir freuen uns über Ihr Interesse.


Neue Kunst Gallery - Michael Oess (Karlsruhe)

16.01.2021 - 18.02.2021 Karlheinz Bux ALTNEU
Galerie Rottloff (Karlsruhe)
Pressemitteilung
Galerie Rottloff
Unter dem Titel ALTNEU treffen alte Werke des jungen Absolventen der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe auf neue Arbeiten des Künstlers im nunmehr fortgeschrittenen Alter. Die gezeigten Bilder, Zeichnungen, Wandobjekte und Plastiken umfassen eine Schaffensperiode von knapp fünf Jahrzehnten. Das Projekt versteht sich als Zwischenbericht, nicht als Retrospektive. Die Ausstellung ist unterteilt in sieben Kapitel. Die Sequenz DREIECKE UND PYRAMIDEN verweist auf die Vorliebe des Künstlers für einfache geometrische Formen. Die Zusammenstellung GESICHT UND VERLUST vermittelt, wie sich das Thema Porträt im Laufe der Jahre veränderte. Das Kapitel HÄNDE UND LEERE umkreist das immer wiederkehrende Motiv der Hand. Die Werkgruppe SPEICHER UND VERLAUF untersucht die inhaltlichen Folgen aus der Verbindung von Linie und Rechteck. Die Episode TRAUM UND RAUM erkundet die Bedeutung des Wachträumens und Tiefschlafens in abstrakten und gegenständlichen Erscheinungsformen und mit räumlichen Bezügen. UNTEN UND OBEN dokumentiert auf einer Skulptureninsel die Entwicklung der vertikal ausgerichteten Plastiken. Die Bildfolge WELT UND WANDLUNG, die in Teilen im Atelier des Künstlers in der Karlsruher Südstadt präsentiert wird, umfasst aktuelle, großformatige Zeichnungen auf Glas und frühe Malerei auf Nessel. Verbindendes Element ist der Bezug zur Welt, die im künstlerischen Wandlungsprozess neu gedeutet erscheint.

Galerie Rottloff (Karlsruhe)

16.01.2021 - 27.02.2021 gentle touch
Galerie Knecht und Burster (Karlsruhe)
Pressemitteilung
Birgit Reich | KUK produzierte gemeinsam mit Nina Laaf einen Podcast, der ein akustisches Ausstellungserlebnis sowie einen Einblick in die Gedankenwelt der Künstlerin ermöglicht. Der Podcast wird ab Samstag 16.1. online gestellt, u.a. auf der website der Galerie.

Für ihre erste Einzelausstellung in der Galerie Knecht und Burster, hat Nina Laaf eine ortsbezogene Skulptur für den vorderen Ausstellungsraum mit Schaufensterfront entwickelt. Die Künstlerin arbeitet mit Strategien der Irritation, Verfremdung, der Kontextverschiebung und Infragestellung von Sehgewohnheiten.

Die Ausstellung wird gefördert im Rahmen des NEU START KULTUR der Stiftung Konstfond und ist aktuell nur online zu sehen. Für weitere Informationen kann die Galerie kontaktiert werden.

Galerie Knecht und Burster (Karlsruhe)

16.01.2021 - 07.03.2021 Accrochage zum Galerientag (nur online)
Galerie Schrade, Karlsruhe (Karlsruhe)
Pressemitteilung
Galerie Schrade, Karlsruhe
Accrochage zum Galerientag (nur online)

oder genießen Sie rund um die Uhr die schönen
Einblicke durch unsere prachtvollen Schaufenster.

Werke von
Clapeko, Petr Hrbek, Martin Jahn, Ralf Klement, Dietrich Klinge,
Christopher Lehmpfuhl, Antonio Marra, Lothar Quinte, Jean Remlinger,
HA Schult, Shmuel Shapiro, Stefan Strumbel und Susanne Zuehlke

Galerie Schrade, Karlsruhe (Karlsruhe)

10.01.2021 - 18.03.2021 Louis Stettner - Early Joys -
in focus Galerie (Köln)
Pressemitteilung
in focus Galerie
“Was für ein Leben – zwischen Fotografie und bildender Kunst, Plastik und Tafelmalerei, Frankreich und Amerika. Ein Leben zwischen Ländern und Kulturen, Sprachen und Befindlichkeiten. Nicht dass sich Louis Stettner nicht hätte entscheiden können. Aber er brauchte wohl dieses Oszillieren zwischen den Kontinenten, den Städten und Disziplinen, um immer wieder neu den großen Fragen des Lebens nachstellen zu können. »Being a photographer«, hatte er einmal gesagt, »means perpetual discovery.« 1922 geboren, 2016 gestorben hat Stettner praktisch das gesamte 20. Jahrhundert durchmessen. (…)
Letztlich waren es zwei Pole, die Stettner prägten und zwischen denen die eigene Kamerakunst vermittelt: Zum einen der linke Humanismus der von Grossman initiierten Photo League, zum anderen der am Formalen interessierte Ansatz eines Brodovitch. »Form cannot really exist without content«, brachte es Stettner auf den Punkt. Umgekehrt ist Inhalt ohne ein Ringen um die Form zumindest keine Kunst. In Stettners Werk gelangen beide Aspekte auf überzeugende Weise zur Deckung: Das tief empfundene Interesse am Menschen und ein wacher, bisweilen kühner, an der visuellen Überraschung interessierter, surrealistisch inspirierter Blick. Das gilt für sein in New York entstandenes Œuvre ebenso wie für seine Auseinandersetzung mit Paris. (...)
In Paris waren es Namen wie Doisneau, Boubat, Cartier-Bresson, die zu Freunden werden und ihn in seinem Weg bestätigten. Brassaï nicht zu vergessen, der nicht nur einen wunderbaren, einfühlsamen Text zu Stettners erstem Buch bzw. Mappenwerk – »10 Photographs« (1949) – beigesteuert hat. Er war auch Vorbild, Wegweiser, väterlicher Freund: »He was my master.« Nicht nur sei Paris eine große Inspiration gewesen, sagte Stettner, auch hätten ihm die Leute Gewissheit gegeben, »that I was doing something important.« Mode, Werbung, Journalismus: die Fotografie kann vieles sein, Auftrag und Selbstauftrag. Früh positionierte sich Stettner als unabhängiger Autor, als Street photographer, der sich wachen Auges den Offenbarungen des Alltags stellte. Paris wurde, wie er sagte, sein Outdoor-Studio und »la vie quotidienne« zu seinem großen Thema. In Frankreich war dies die hohe Zeit einer so genannten »Photographie humaniste«. Auch bei Stettner steht der Mensch, der kleine Mann im Mittelpunkt. Aber seine Bilder sind weniger anekdotisch, weniger offensichtlich, weniger an Geschichten als an Atmosphäre interessiert. Stettner suchte nicht Antworten, sondern stellte Fragen. Seine Bilder irritieren, präsentieren sich nicht selten als Geheimnis: Mysterien in Schwarzweiß, gestützt durch eine Lust am Experiment, die sich in mutigen Anschnitten, Unschärfen, Spiegelungen, in Dynamik, in Bewegung äußert oder einer Leere, die an Atget erinnert. (…)
»Flaubert said, what he destested most in art is something that’s clever«, zitierte Stettner den großen Realisten, der neben Walt Whitman zu seinen »favorite poets«, seinen Lieblingsdichtern zählte. Stettners eigenes Werk ist alles andere als clever, vielmehr gut
gesehen, tief empfunden, ehrlich und voller Überraschungen. »Art doesn’t work by pleasing other people«, definiert er selbst. »It’s by moving other people. Deeply.«
Auszüge aus einem Text von Hans-Michael Koetzle. Er arbeitet als freier Schriftsteller, Fotohistoriker und Kurator.

Öffnungszeiten:
Mi. - Fr. 16 – 19 Uhr, Sa. 11 – 15 Uhr u.n.V.
Achtung: aufgrund gesetzlicher Bestimmungen können sich die Öffnungszeiten wegen den Corona Einschränkungen ändern. Bitte anfragen. 0177 3202913

in focus Galerie (Köln)

16.12.2020 - 05.03.2021 Paul Thuile - genius loci
Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Innsbruck (Innsbruck)
Pressemitteilung
Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Innsbruck
soft opening days/ meeting the artist
Wed–Sat, 16–19 December, 12–6 pm

please register via galerie@galeriethoman.com

Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Innsbruck (Innsbruck)

09.12.2020 - 27.02.2021 Peter Sandbichler - the golden bar
Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Wien (Wien)
Pressemitteilung
Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Wien
soft opening days / meeting the artist
Wed – Fri, 9–11 December, 2–6 pm

please register via galerie@galeriethoman.com

Galerie Elisabeth & Klaus Thoman Wien (Wien)

29.11.2020 - 14.02.2021 Weihnachtsausstellung 2020 - online verlängert
Galerie Schrade, Mochental (Ehingen/Donau)
Pressemitteilung
Galerie Schrade, Mochental
Weihnachtsausstellung 2020 verlängert - nur online

Peter Casagrande · Ralph Fleck · Klaus Fußmann · Marlis Glaser · Cordula Güdemann · Erich Hauser · Ralf Klement · Christopher Lehmpfuhl · Antonio Marra · Georg Meistermann · Lars Möller · Lothar Quinte · Wolfram Scheffel · Cornelia Schleime · HA Schult · Emil Schumacher · Alessia Schuth · Xianwei Zhu · Bernd Zimmer · Susanne Zuehlke

Galerie Schrade, Mochental (Ehingen/Donau)

13.11.2020 - 13.02.2021 Andreas Gefeller
Thomas Rehbein Galerie (Köln)
Pressemitteilung
Thomas Rehbein Galerie
Schwindende Naturgröße

1803 erstellte der Londoner Apotheker Luke Howard eine „methodische Nomenclatur der verschiedenen Formen, unter denen das in der Atmosphäre schwebende Wasser vorkömmt“. In seiner Klassifikation der Wolkentypen beschreibt er drei noch heute gültige Grundkategorien, nämlich Cirrus (Federwolke), Cumulus (Haufenwolke) und Stratus (Schichtwolke). Für Caspar David Friedrich war eine solche systematische Einteilung der Wolken in Klassen jedoch gleichbedeutend mit dem „Umsturz der Landschaftsmalerei“. Er lehnte sich dagegen auf, die „leichten, freien Wolken sklavisch in diese Ordnung gezwängt“ zu sehen. In Friedrichs romantischer Auffassung folgten die Naturformen seinem sehenden, „geistigen Auge“.
Vielleicht folgt Andreas Gefeller sowohl einer wissenschaftlichen Neigung als auch einem genuin romantischen Impuls, wenn er sich für seine fotografische Serie Clouds (2019) den gewaltigen Elementen aussetzt. Gefeller begibt sich in die Mitte der „Wolkenwandelbarkeit“ (Walter Benjamin), wo die feuchten Luftgebilde dicht hervorquellen und ihre trägen Ausstülpungen aus Wasserdampf sich himmelwärts emporschieben. Riesige Formationen blähen sich vor ihm auf, schwellen an, in ständiger Verschiebung türmen sie sich wie Gebirge über ihm auf. Oft im Gegenlicht stehend, blickt der Fotograf mal durch undurchdringliche, voluminöse Massen, mal durch fedrige Schwaden.
Wie der Wanderer über dem Nebelmeer von Caspar David Friedrich ist der Künstler – obgleich nicht im Bild – hier Teil des thermodynamischen Schauspiels. Der Wanderer im Gemälde von 1818 blickt auf wabernde Schleier aus milchigem Dunst, die sich im Wechsel mit kargen Felsspitzen in die Ferne erstrecken. Durch die bewegten Formationen scheinen die räumlichen Dimensionen aufgehoben, das individuelle Empfinden von Höhe, Weite und Tiefe angesichts der grenzenlosen Ausdehnung außer Kraft gesetzt – und das ganz in dieser wechselvollen Ansicht vertiefte Subjekt gleichsam verloren.
Gefeller verhilft den in ihren Anteilen an Luft und Wasser changierenden atmosphärischen Gebilden, deren Wiedergabe bis zur Romantik aufgrund dieser unbestimmt nebulösen Eigenschaft außerhalb des linear-perspektivisch Fassbaren bzw. Darstellbaren lag, zu einer deutlich umrissenen Form. Durch minimale Eingriffe in die digitale Rohdatei verschärft er die Konturen und intensiviert die Farbwerte. Licht und Schattenpartien unterscheiden sich dadurch deutlicher, ebenso wie sich ein erstaunlich differenziertes Spektrum an Blautönen eröffnet. Mit Hilfe von Weißabgleich und Kontraststeigerung erlangen die ephemeren Erscheinungen eine überraschend monumentale Gestalt und farbliche Ausdruckskraft.
Und doch werden diese höchst kunstvollen, an barocke Dramatik gemahnenden Effekte nicht durch künstliches Zutun erzeugt. Gefeller manipuliert keinesfalls die vorgefundene Situation, vielmehr werden bislang unerreichte Bereiche der Realität zur Geltung gebracht und so zugänglich. Wie jene


Farbnuancen, die durch die Reflexionen des Himmels in den feinsten Wassertropfen entstehen und deren koloristischer Reichtum sich nun dem bloßen Auge offenbart. Aus Vorhandenem schöpfend, bringt Gefeller die – als Information in der Rohdatei angelegte – „Wahrheit“ der Wolken jenseits der Wahrnehmung zum Vorschein. Das physikalische Ereignis entfaltet eine ungeahnte ästhetische Anziehungskraft.
Durch seine Erweiterung der Dimension des Erfahrbaren bringt Gefeller das Erhabene mit modernen Mitteln nah. Mit dem hervorgerufenen Natureindruck kommt jenes Gefühl der Überwältigung auf, das Empfinden, welches den Menschen angesichts unermesslicher Naturgröße ereilt und sich auf das Erhabene zurückführen lässt. Bereits in der Antike als das Unsichtbare, Unbeschreibliche beschrieben, wird die „Unangemessenheit unseres Vermögens der Größenschätzung“ nach Kant vor allem spürbar in Gegenwart dessen, „was schlechthin groß ist“, d.h. was über jeden Vergleich hinausgehend groß sich unserer Einschätzung entzieht. Es erzeugt einen Taumel, einen Schwindel – bis hin zur Todesangst. In diesen existenziellen Erfahrungen natürlicher Urgewalt erscheint die Gefahr reizvoll und das Schöne mit dem Schrecklichen gepaart.
Auch bei Gefeller steht die Schönheit der Wolke mit dem Schrecklichen in fataler Verbindung. Als Teil der „Wahrheit“ offenbart sich nun neben dem Wahrheitsgehalt der Darstellung auch ihr Ursprung. Denn Gefellers beeindruckende Wolken sind keine natürlichen Vorkommnisse, als Wasserdampfemissionen entströmen sie den Kühltürmen des Kohlekraftwerks Neurath. Mit der Erkenntnis, dass es sich bei dem Himmelsphänomen um eine industrielle Ausscheidung handelt, ist die Faszination für das vermeintliche Naturspektakel jäh gebrochen, der schöne Schein durch die schreckliche Realität des Seins erheblich getrübt.
Und mit dem Wissen um diese künstlichen Erzeugnisse verfliegt gleichwohl der Eindruck des Erhabenen, der den Schrecken im Sinne eines „delightful horrors“ evoziert, einer annehmlichen Angst, eines Nervenkitzels. Das hier real einsetzende Empfinden von Schrecken steht in einem zeitgemäßen Zusammenhang angesichts zerstörerischer Gewalt in Bezug auf die Umwelt. Gefeller greift das romantische Motiv zwar auf, unterzieht es aber einer neuen, kritischen Betrachtung, in der Wunsch und Wirklichkeit eklatant auseinanderfallen. Obwohl sie den Eindruck von Naturgröße heraufbeschwören, sind die Clouds Ausdruck des Gegenteils, und zwar einer durch ökologische Schäden geschwächten Natur. Den Aufnahmen wohnt somit ein tragisches Paradox inne, denn die imposanten Erscheinungen der Clouds künden von schwindender Naturgröße. Sie verbildlichen einen Verlust, den das – in seiner vollen Verantwortung – auf sich zurückgeworfene Subjekt schmerzhaft hinnehmen muss. Während die Romantik die Wolke zum Symbol innerseelischer Spannung kürt, kündet sie jetzt mit unvermindert schaurig-schöner Wirkmacht vom Zerwürfnis des Menschen mit der Natur als Lebensgrundlage.
Und doch bleibt in der immersiven Betrachtung der Clouds – trotz oder gerade wegen des heraufbeschworenen ökologischen Ungleichgewichts – der Eindruck unverfälschter Naturschönheit und die damit verbundene Sehnsucht haften: „Wir wollen unser Glück in Dingen finden, die in jedem Augenblick sich ändern oder vergehen; wir sollen die äußerste Befriedigung und Belehrung von dem erwarten, was man nicht halten kann und was schwer zu begreifen ist.“ (John Ruskin)

(Bettina Haiss, 2020)

Thomas Rehbein Galerie (Köln)