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Buchrezensionen

Stefan Koldehoff - Die Bilder sind unter uns - Das Geschäft mit der NS-Raubkunst

Stefan Koldehoff -  Die Bilder sind unter uns - Das Geschäft mit der NS-Raubkunst
22,95 EUR
ISBN: 3821858443
Eichborn Verlag

Stefan Koldehoff ist vielen kulturinteressierten Hörern des Deutschlandfunkes bekannt. Darüber hinaus hat der Kulturredakteur unter anderem Bücher zu den Themen Kunstdiebstähle und Van Gogh veröffentlicht. In seinem neusten Werk beschäftigt sich der Journalist ebenfalls mit dem Thema Kunstdiebstahl bzw. Kunstraub. Die Täter hier kamen jedoch nicht mit schwarzer Kapuze über dem Gesicht, sondern zum Teil in feinen Anzügen oder Uniformen. Koldehoff widmet sich dem Thema Raubkunst.
Wie virulent dieses Thema nach wie vor ist, wird schnell deutlich, wenn wir uns die Restitutionsfälle der letzten Jahre in Erinnerung rufen.
Verschleierung und Verdunkelung sowohl in der Nazizeit aber auch in den Nachkriegsjahren erschweren den Nachkommen der ursprünglichen Eigentümer oft genug den Nachweis. Und wenn der Nachweis erbracht wird und die Erben die Rückgabe fordern, beginnt regelmäßig in Deutschland eine Debatte darüber, ob dies wirklich erforderlich ist. Und nicht selten sehen sich die Erben auf der öffentlichen Anklagebank. Wie zuletzt im Jahre 2007, als die Berliner Straßenszene von Ernst Ludwig Kirchner an die Erben des jüdischen Sammlers und Unternehmers Alfred Hess zurückgegeben wurde.
Sicher, jedes Kunstwerk, das ein Museum verlässt, ist ein schwerer Verlust. Und wünschenswert wäre es selbstverständlich immer, dass eine Lösung zwischen den Eigentümern bzw. den Erben und den Museen gefunden wird, die es ermöglicht, die Kunstwerke auch weiterhin der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das öffentliche Anprangern der Rückforderung jedoch, kommt und hier ist dem Autor zuzustimmen einer zweiten Enteignung gleich.
Aber warum tun wir uns so schwer damit das Unrecht anzuerkennen? Warum kam und kommt fast immer zuerst ein reflexhaftes Nein, wenn es um Restitution geht. Sicher, es gibt die Fälle, in denen entschädigt worden ist. Und sicher ist es ärgerlich, wenn ein Gemälde aus einer öffentlichen Sammlung für mehrere Millionen Dollar versteigert wird und möglicher Weise nicht mehr der Allgemeinheit zugänglich ist. Doch liegt es nicht an den Erben, dass der Kunstmarkt bereitwillig für die sogenannten Spitzlose astronomische Summe zahlt, die kein Museum aufbringen kann.
Stefan Koldehoff führt uns auf fast 300 Seiten mitten hinein in unsere Geschichte des Kunstmarktes. Gleich sein erstes Kapitel zeigt worum es neben
dem Rassenwahn eben auch ging – um Geld. Viele deutsche Juden erlitten das Schicksal des Berufsverbotes. Für den Düsseldorfer Galeristen Max Stern ging dies am 29.August 1935 mit dem Entzug seiner Zulassung als Kunsthändler einher. Damit wurde dem Galeristen seine Existenzgrundlage entzogen. Er entschied sich für die Emigration. Wer jedoch glaubt, dass der Kunsthändler ein gesichertes Polster für einen Neuaufbau im Ausland hatte, der muss eines wissen: Juden wurde eine

Stefan Koldehoff - Die Bilder sind unter uns - Das Geschäft mit der NS-Raubkunst

„Reichsfluchtsteuer“ in Höhe von 25 Prozent ihres Gesamtvermögens auferlegt und darüber hinaus wurde im Falle von Max Stern noch eine „Dego-Abgabe“ an die Deutsche Golddiskontobank von 81 Prozent aller ins Ausland zu transferierender Geldmittel und Sachwerte fällig. Wie es Max Stern überhaupt möglich war die finanziellen Mittel für die Ausreisepapiere zu erhalten, legt Koldehoff in seinem ersten Kapitel dar und zeigt zugleich auf, welche Rolle der Kunsthandel in jener Zeit spielte. Der Autor erzählt eingängig und mit zahlreichen Fakten unterlegt, von den Schicksalen einiger Kunsthändler und -sammler. Sie spiegeln das perfide Enteignungssystem der Nazis wider, aber auch das Gewinnstreben von sogenannten Freunden und Unternehmern bis weit in die Adenauerzeit. Koldehoff beschreibt dies alles sehr engagiert. An einigen Stellen ein wenig zu engagiert, wenn er mit seinen Wertungen den Leser unterbewusst zu beeinflussen versucht. Die reine Faktenlage und das Zahlenmaterial reichen völlig aus, um die Zwangslage zu dokumentieren, in der sich die deutschen Juden befunden haben – wertender Adjektive bedarf es da nicht.
Lesenswert ist das Buch für alle, die sich schon immer gefragt haben, wo die ganzen Bilder eigentlich herkommen, die in den Museen hängen und bei den Auktionen auftauchen. Es räumt so manches Klischees aus der Welt und regt zum Nachdenken und Nachfragen an.

Roswitha Zytowski
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