| 10.05.2008 |
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Zytowskis Kunststück | |
![]() Wir haben den Schweden viel zu verdanken. Wunderbare Nachmittage mit der aufmüpfigen Pippi Langstrumpf oder dem rundlichen Carlson auf dem Dach. Dank eines großen schwedischen Möbelhauses wurden die deutschen Wohnzimmer von einigem Ballast befreit und erhielten ein frisches Antlitz. Und auch kulinarisch erfuhren wir manche Neuerung: So wissen wir nun, dass Hackfleischbällchen auch sehr gut mit roter Beerenkonfitüre zu kombinieren sind und dass man sich bei einem Hot Dog à la svenska nicht für Senf oder Ketschup entscheiden muss – nein, es darf einfach beides `drauf und zwar reichlich. Doch damit nicht genug. Schweden gilt im Bezug auf den Sozialstaat, trotz aller Schwierigkeiten, immer noch als vorbildlich und dies bei einer Steuerbelastung, die in Deutschland nicht nur zu Wanderbewegungen des Kapitals, sondern gleich der meisten Deutschen führen würde. Und in Sachen Bildung sind uns die Skandinavier laut Pisa-Studie ohnehin noch um Längen voraus. Es gibt natürlich auch Nachteile. Die Winter sich länger, selbstverständlich nicht kalendarisch, sondern gefühlt, denn es fehlt das Tageslicht. Und was machen beispielsweise die Stockholmer an so dunklen Wintertagen: Sie gehen ins Museum. Da sahen sie dann im ‚Museum für moderne Kunst’ hochkarätige Kunstwerke: Ein bisschen Picasso hier, ein wenig Max Ernst da, na ja, Sie wissen schon. Klassische Moderne und alles was auf dem aktuellen Kunstmarkt Rang und Namen hat. Die Stockholmer könnten also zufrieden und glücklich sein. Sind sie aber nicht. Zumindest einige nicht. Dem Leiter der Kunstsammlung reicht das nicht mehr aus. Nach einer Bestandsaufnahme stellte er fest: Es seien zu wenig Werke von Künstlerinnen vertreten. Ihr Anteil an der Kunstgeschichte würde sich in den Beständen nicht abbilden. Die Schlussfolgerung aus dieser Feststellung ist |
verblüffend einfach: Was fehlt, muss ergänzt, also gekauft werden.
So einfach kann es gehen und bekanntlich macht der Mai ja alles neu. Wollen wir also hoffen, dass die schwedische Erkenntnis auch bei uns Früchte trägt und der frische Wind aus dem hohen Norden wenigstens noch als leichte Brise durch so manche hiesige Sammlung wehen kann. Denn eines ist klar: Wer sich ein Bild machen möchte, der muss Glückliches Schwedenauch die Gelegenheit haben, alles zu sehen. Wie bei einer guten schwedischen Hot Dog Theke: Dort wird auch nicht vom Betreiber festgelegt, es schmeckt nur mit Senf. Es muss alles vorrätig sein: Mayonnaise, Gurken, Zwiebel, Senf und Ketschup. Darauf ein Hot Dog, mit allem, was die Angebotspalette hergibt. Denn die Faustregel, erst einmal selbst probieren, gilt nicht nur für den Gaumen, sondern auch für die Augen. In Stockholm hat man dies begriffen – glückliches Schweden! Roswitha Zytowski |